Ich habe die Wahl zwischen den 34er Bus, der schon dasteht, und dem 39er, der allerdings erst in 14 Minuten kommt. Ich schaue auf die Anzeige.. hmm steht bei beiden, das selbe drauf. Naja egal. Ich werde schon irgendwie ankommen.
Also steige ich einfach ein. Schon nach wenigen Stationen war mir klar, dass ich natürlich in den falschen Bus eingestiegen bin. Das ist so typisch: wenn ich etwas nicht habe, dann ist es Orientierungssinn, auch im übertragenen Sinne nicht. Aber das war für mich nie ein Problem, denn ich komme letztendlich immer an meinem Ziel an. Man weiß nur nie, wie lange es dauert und wie viele Umwege ich gehen muss, bis meine kleine Odyssee vorbei ist.
"Nächste Haltestelle: Sportplatzstraße" Ich schaue aus dem Fenster und sehe einen Sportplatz. Oh mein Gott die Straßennamen werden ja immer origineller. Wie hieß die Straße eigentlich BEVOR ein Sportplatz hier war? Keine Ahnung.
Und so fahre ich dann noch knapp 1 Stunde durch die Gegend. Hirsestraße, Roggenstraße...
verdammt was haben die mit Vogelfutter? Sind denen die Bürgermeister ausgegangen?
Etliche Haltestellen später komm ich dann endlich an.
Zuerst werde ich von einer etwas anders als sonst gestylten besten Freundin überrascht, dann wird gegessen. Ich glaub das war das erste Mal dass ich Bambussprossen gegessen habe.
Und dann geht's los. Die RoFa.
Für alle die es nicht wissen: RoFa steht für Rockfabrik - der Name sagt eigentlich schon alles.
In der RoFa findet man Emos, Gothics,Methals.. alles mögliche. Aber auch ganz normale Leute.
Doch zu denen gehören meine Beste und ich ja nicht.
Wir sind eigentlich die ganze Zeit nur rumgelaufen und haben uns von der Musik beschallen lassen. Oh mein Gott, ich glaub ich bin noch nie so zu "Last Resort" abgegangen. :D
Leider mussten wir aber schon um Null Uhr wieder raus. Minderjährig und so.
Aber das war ok, weil es war einfach ein perfekter Abend.
Der Rythmus, die Menge, das Bier... einfach alles.
Doch auch die härtesten Partygänger brauchen ein bisschen Zuneigung ab und zu. Als ich aufgewacht bin, saß meine Beste da und hat mich angegrinst.
"Guten Morgen" - "Morgen..hab ich gestern arg viel Scheiße gemacht.?"
Es ist 11 Uhr morgens und die Sonne scheint. Ich bin saumüde und deswegen sehr froh, dass sie die Rollladen noch unten hat.
Wir stehen auf, frühstücken gemütlich und reden die ganze Zeit über den letzten Abend. Wir bereuen nichts. Und ich weiß auch, dass sie nichts bereut. Ich meine: wozu auch?
Wenn ich etwas am nächsten Morgen eh wieder bereue, dann muss ich es doch am Vorabend nicht machen, oder? Naja.. außer man ist betrunken, dann sollte man schon die ein oder andere Sache bereuen, aber ich war ja einigermaßen nüchtern, also von dem her. Es sei denn zu viel Rhythmus kann einen betrunken machen.
Ich möchte jetzt erst mal mein Leben leben und es in vollen Zügen genießen. Mich in der Nacht und im Tanz verlieren. Einfach nur eintauchen in die Welt der Sinne - instinktiv leben. Und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Denn später, wenn ich irgendwann mal erwachsen bin und vllt. sogar Kinder habe, dann kann ich das nicht mehr.
Dann hat man Verantwortung, dann muss man sich benehmen, die Klappe halten.. still sitzen.
Das kann ich aber überhaupt nicht. Ich wünschte ich könnte für immer leben und genießen, doch das geht nicht. Jeder muss mal erwachsen werden. Seine Prioritäten ordnen.
Während wir uns am Freitag den Rhythmus des Musik hingaben, mit Leib und Seele, werden wir wahrscheinlich in ein paar Jahren uns dem Rhythmus den monotonen Alltags hingeben müssen. Wie haben ja gar keine andere Wahl.. es ist wie ein Strudel. Man kann dagegen ankämpfen und den Sog vermindern und es ein bisschen hinauszögern, dass wir erfasst werden. Doch im Endeffekt werden wir in die Tiefe gezogen.
Man kann irgendwann wenn man erwachsen ist zwar sagen, man hätte genauso viel Spaß wie früher, man ist frei und unabhängig und verrückt, doch.. irgendwo ist das eine Lüge.
Ich meine, wie frei ist man denn, wenn man schauen muss ob man am Wochenende Zeit hat, weil man arbeiten muss? Wie spontan ist es, wenn man alles planen muss?
Ich bin gerade mal siebzehn Jahre jung und ich merke es jetzt schon, dass meine Spontanität nachlässt. Ich weiß noch vor ein paar Jahren, hat mich meine Beste immer angeschaut, wenn ich erzählt habe, wie ich drauf war. Heute versteht sie es... aber ich sie nicht mehr so.
Wenn sie sich gehen lässt, sitze ich daneben und mache mir Gedanken ob das gut ist.
Ich befürchte ich werde einfach langweilig.. doch so'ne Abende wie am Freitag beweisen mir immer wieder, dass ich das nicht bin.. dass ich auch noch irgendwo das Mädchen bin, dass ich mit 14-15 war. Ich bin nicht unbedingt stolz auf den Mist, den ich da gebaut habe.. ich hasse das Mädel von damals sogar manchmal. Aber ich brauche sie um Spaß zu haben. Einfach nur Spaß. Nicht nachdenken, nicht an Konsequenzen denken.. einfach nur instinktiv leben.
Das Leben ist voller Regeln.. und ich halte mich auch meistens an einen Großteil der Regeln.
Ich mache mir Gedanken um meine Zukunft, ich führe eine wundervolle Beziehung, ich bin meistens höflich und nicke. Ich pöbel nicht rum, bin treu, versuche aufhören zu rauchen, trinke wenig...Ich bin weiß Gott kein Engel, aber ich versuche mich an die Regeln der Gesellschaft zu halten.
Warum kann ich mir dann nicht 1-2 mal im Monat einen Abend gönnen, an dem ich auf alle Regeln einen Haufen mache? An denen ich einfach nur lebe. Wo ich "ich" sein kann.. wo sich keiner denkt "boar wie ist die denn drauf?", weil alle mindestens genauso abgehen wie ich.
Ich meine ich mache mir herzlich wenig aus der Meinung anderer, aber trotzdem ist es ein Unterschied ob ich jetzt einfach nur verrückt wirke oder alle Hemmungen fallen lasse und auf jede Meinung von jedem kurzzeitig ein Dreck gebe. Vor allem seh ich die meisten eh nicht wieder. :D
Im Endeffekt sind Regeln doch da um gebrochen zu werden. Das heißt nicht, dass ich in solchen Nächten fremdgehe,kiffe und mir die Kante gebe.. Nein um Gottes willen. Aber "gehen lassen" kann auch heißen, dass man tanzt und tanzt und tanzt und einfach nur Spaß hat.
Neue Leute kennenlernt, Müll redet, zusammen lacht... usw.
In diesen Momenten vergisst man dann alles und jeden, was nicht da ist und mitfeiert.
Doch dieses Mal hatte ich Probleme jemand ganz bestimmten auszublenden. Denn das Mädchen mit der Kettensägenfantasie ist zum ersten Mal seit langer Zeit wieder glücklich.. und das erst Mal wieder ausgegangen um Spaß zu haben und nicht im Sinne von Kante geben.
Ich wünschte er wäre dabei gewesen. Er hätte die Rofa geliebt. Er hätte die Leute geliebt.
Heute sitze ich hier in meinem Bett, schaue TV und schwärme innerlich immer noch von dem Weiberabend mit meiner Besten. Immer wieder wandert mein Blick hoch zum Fotoregal, wo ich die Bilder aufgestellt habe, die mir von meinem Liebsten geschickt wurden.
Aber ich habe jetzt nichts mehr groß zu erzählen. Dass ich Angst habe erwachsen zu werden (und ja im Gegensatz zu diversen anderen Menschen gebe ich es zu) und Verantwortung zu übernehmen, ist glaube ich angekommen. Dass ich meinen Freund liebe, glaube ich, kam auch an. Dass meine beste Freundin einfach die Tollste ist, ist allgemein bekannt und somit.. joa.
Ja,ja...ich sag doch: RoFa.. viel Make-Up.. viel Schwarz. :D
So sahen wir aus BEVOR wir loszogen.. nach einigem Headbangen und viel Haarewuscheln später sahen wir nicht mehr so gut aus. (Obwohl ich ja der Meinung bin, dass ich eh bisschen arg böse schau)
Habt viel Spaß beim Lesen.. ach und beim Leben auch. Genießt einfach jede Sekunde. :)
Die Schreiberin.
